Berlin: Die alte Mama, der Besenmann und die Tambores

27. Juli 2009 | Von | Kategorie: Kultur

Unablässig kreist der bunte Stock in der Hand, hüpft geschmeidig über die Arme auf die Schulter, fällt in sanftem Bogen auf die Fußspitze, springt von einem Fuß zum anderen, wird nach sekundenlangem Balanceakt hoch in die Luft geschleudert, landet wieder in den sich drehenden Händen. Gustavo Berlangieri, Künstlername „Tato“, trainiert. Er ist ein „Escobero“, ein Besenschwinger. Einer der besten Uruguays. Jetzt ist er in Berlin, präsentiert mit dem Centro de Ritmos Afro-Sudamericanos (CRAS) beim Karneval der Kulturen Candombe, den „schwarzen“ Rhythmus vom Río de la Plata.

Tato ist nicht der einzige, der übt. Die Langenscheidt-Höfe im Berliner Bezirk Schöneberg, Sitz des CRAS, gleichen an diesem Samstagnachmittag dem „sprichwörtlichen Ameisenhaufen“. Organisiert-chaotisch-buntes Treiben, wohin man schaut. Eine riesiges, schwarz-grün-orange-kariertes Banner wirbelt leuchtend durch die Luft. Auf gelben Plastikstühlen sitzen ein paar Männer in einer Ecke des Hofes und saugen an ihrem Maté . Gegenüber gehen vielleicht zwei Dutzend Tänzerinnen Details ihrer Choreographie durch. Rollen werden verteilt – wer ist die „Mama Vieja“ („Alte Mama“), wer der „Gramillero“ („Medizinmann“), beides traditionelle Figuren bei der Candombe. Kleinbusse aus Hamburg und Schweden fahren vor, bringen noch mehr Menschen, die sich in die Arme fallen.

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An der Treppe, die hinab zu den Proberäumen führt, werden sorgfältig die letzten Buchstaben auf ein Transparent gepinselt. Im Keller sitzt Maria an der Nähmaschine. Die Peruanerin, die in einer italienischen Boutique in der deutschen Hauptstadt arbeitet, schneidert die letzten Änderungen an den Kostümen der Tänzerinnen.

Und überall, im Hof, im Keller, in den Autos, stehen die „wichtigsten“ Protagonisten herum. Sie heißen „Chico“,“Repique“ und „Piano“. Ihre Körper, an den Enden schlank, in der Mitte bauchig, leuchten in Orange und Grün. Ohne die Tambores – die Trommeln – geht nichts beim Candombe , diesem mitreißenden Tanzrhythmus mit afrikanischen Wurzeln aus Uruguay. Der Tambor „Piano“ ist dabei mit einem Felldurchmesser von etwa 40 cm die größte der drei Trommelarten. Ihr kräftiger Bass bildet das „Fundament“ des Candombe-Rhythmus. Die kleinste des Trios ist natürlich der Tambor „Chico“ (deutsch: „Der Kleine“), bei dem das Trommelfell gut 20 cm im Durchmesser misst. Sie ist am höchsten gestimmt und fungiert im Zusammenspiel wie ein rhythmisches Pendel. Das Instrument der Solisten ist der „Tambor „Repique““. Mit einem Felldurchmesser von etwa 30 cm verbindet diese Trommel die Rhythmen von „Piano“ und „Chico“ durch synkopische Improvisationen.

Wie ein Dirigent verschafft sich Peter, in Uruguay aufgewachsener Berliner, begeisterter Candombe-Spieler und einer der Mitbegründer des CRAS, Gehör. Es geht um die Generalprobe für die Parade morgen beim Karneval der Kulturen. Endlich, alle Trommler, Tänzerinnen und helfenden Geister sind im Hof, alle Gäste aus Uruguay, Schweden und dem Rest der Republik wurden begrüßt – es kann los gehen. Das Trommelgewitter des Candombe bemächtigt sich des Hofes, reißt alle mit: die Tänzerinnen, die Trommler und auch die Männer auf den Plastikstühlen. Genauso wird es auch morgen sein, wenn sich bei der großen Parade des Karneval der Kulturen Hunderttausende von Menschen sich – zumindest für einige Minuten – vom Cnadombe-Fieber anstecken lassen. Und wer sich von disem Rhythmus hat infizieren lassen, der kann selber mitspielen oder mittanzen. Das CRAS bietet regelmäßig Candombe-Kurse und -workshops an.

 [dropshadowbox border_width=“1″ inside_shadow = „false“ width=“100%“]Info CRAS

CRAS – Centro de Ritmos Afro-Sudamericanos
Crellestr. 29-30
(im Keller der Langenscheidthöfe)
10827 Berlin-Schöneberg
Tel.: 78001955 (Mo.-Fr. 16-18 Uhr)
Weitere Infos auf der Website des CRAS.[/dropshadowbox]

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