Brasilien: Feuer verwüsten Favelas in São Paulo

5. September 2012 | Von | Kategorie: Nachrichten

Schon mehr als 30 Brände seit Jahresbeginn 2012

Favela in Sao Paolo (© Adveniat)

Favela in Sao Paolo (© Adveniat)

Ein Großfeuer hat am 4. September große Teile der Favela Piolho im Süden der brasilianischen Großstadt São Paulo zerstört. Mehr als 1.000 Menschen sind obdachlos. Der Brand in Piolho ist kein Einzelfall: Seit Jahresbeginn 2012 wüteten mehr als 30 Feuer in verschiedenen Favelas der brasilianischen Großstadt. Grund dafür sind zumeist unzureichende Strominstallationen, die zu Kurzschlüssen und Schwelbränden führen. Opfer eines dieser Großfeuer wurden auch große Teile der Favela Moinho. In dem Armenviertel inmitten der brasilianischen Wirtschaftsmetropole lebten rund 700 Familien – ein Drittel von ihnen hat durch das Feuer alles verloren. Viele Menschen campieren seither auf den Resten ihrer Habe auf der vierspurigen Brücke „Rio Branco“, die über die Favela führt.

Eingerahmt von den Gleisen zweier Schnellbahnlinien, liegt die Favela mitten im gutsituierten Stadtteil „Bom Retiro“ auf dem Gelände einer ehemaligen Mühle. Als diese nicht mehr genutzt wurde, besetzten obdachlose Familien das Gelände, das zwischenzeitlich als wilde Müllkippe benutzt worden war. Auf diesen Müllbergen erbauten die Menschen ärmliche Hütten aus Holz, Pappe und Wellblech. Wie in fast allen Favelas Brasiliens, geschah dies auch in Moinho ohne zentrale Planung, ohne Genehmigung . „In Moinho lebten Müllsammler, Tagelöhner und Arbeitslose“, berichtet Adveniat-Mitarbeiter Christian Frevel, der 2011 zwei Mal Moinho besuchte. „In die Favela kam man nur zu Fuß – die Gassen zwischen den Hütten waren zu schmal für Fahrzeuge. Löscharbeiten haben hier kaum eine Chance“, berichtet Frevel.

In dem Armenviertel galten eigene Rechte – die Polizei blieb stets am einzigen Zugang zur Favela stehen. Zum Zeitpunkt des Brandes verfügten die meisten Häuser über Strom, aber nur wenige über einen eigenen Wasseranschluss. Toiletten gab es nur in sehr wenigen Baracken. Strom zapfen die Favela-Bewohner in São Paulo meist illegal an, die Leitungen und Anschlüsse sind fast immer von dem Menschen selbst gelegt worden – und bergen entsprechende Gefahren. So wurde dieses Feuer wahrscheinlich durch einen Kurzschluss ausgelöst.

Die Favela do Moinho wurde seit vier Jahren von Mitgliedern der Geistlichen Gemeinschaft „Aliança da Misericordia“ pastoral betreut. Die Gemeinschaft hat es sich zum Ziel gemacht, möglichst direkt unter den Armen zu wirken. Am Eingang der Favela hatte die „Aliança da Misericordia“ eine Kinderkrippe errichtet, die täglich öffnete und von Freiwilligen betreut wurde. Ordensschwestern und Laienmitarbeiter kamen jedes Wochenende in die Favela, um dort unter einfachsten Verhältnissen in einer kleinen Baracke zu wohnen und in der ebenfalls aus Holzbrettern erbauten Kapelle die Katechese zu leiten, mit den Leuten zu reden und zu beten. Sonntags wurde in einer von der Gemeinschaft und Favela-Bewohnern errichteten Kapelle Gottesdienst gefeiert. Wie durch ein Wunder, so berichteten Angehörige der „Aliança da Misericordia“, sei die Kapelle vom Feuer verschont worden. Die Flammen, die bereits auf das Nachbarhaus übergegriffen hatten, konnten gelöscht werden. In ihrer Arbeit wird die „Aliança da Misericordia“ vom deutschen Hilfswerk Adveniat unterstützt. Seit dem Feuer hat die Gemeinschaft ihre Sozialarbeit für die Menschen von Moinho verstärkt.

Rund eine Million der 16 Millionen Einwohner São Paulos leben in Favelas. Viele der Armensiedlungen haben inzwischen eine erste Infrastruktur erhalten, doch gerade am Rand der Megastadt wachsen immer wieder neue, illegale Ansiedlungen.

Fotograf: Jürgen Escher / Adveniat

Quelle: Adveniat

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