Kolumbien: Kaffee statt Rosenkränze – oder wie der Kaffee nach Kolumbien kam

15. April 2007 | Von | Kategorie: Kulinarisches
© Deutscher Kaffeeverband e.V.

© Deutscher Kaffeeverband e.V.

“Café de Colombia“ – Kaffee aus Kolumbien ist für viele Kenner der Inbegriff echten Kaffeegenusses. Die Pflanze, aus deren gerösteten Samen dieses köstliche, heiß begehrte Getränk bereitet wird, stammt eigentlich aus Afrika.

Als ursprüngliche Heimat des Kaffees gilt die äthiopische Provinz Kaffa. Hier isst man “Kaffee“: die gesamte Frucht wird zu einem Brei verarbeitet, die Speise soll belebend wirken. Mit Sklavenhändlern gelangt der Kaffee irgendwann nach Arabien. Spätestens im 15. Jahrhundert lernen die Araber, die Bohnen zu rösten, zu zerkleinern und mit heißem Wasser zu überbrühen – die eigentliche Kultivierung von Kaffee beginnt. Die unzähligen Pilger, die das Moslem-Heiligtum in Mekka besuchen, verbreiten die Kunde von dem neuen Getränk rasch. Nach der Eroberung Arabiens bringen die Osmanen den Kaffee bis in den letzten WInkel ihres Herrschaftsbereiches. Mit den vor Wien gescheiterten türkischen Eroberungszügen findet die braune Bohne schließlich Eingang in den mitteleuropäischen Kulturkreis. Der Kaffeeanbau bleibt jedoch jahrhundertelang unter der Kontrolle jemenitischer Araber. Sie überwachen die Verschiffung der Kaffeebohnen im Hafen Mocha streng. Die Ausfuhr von fruchtbaren Pflanzen ist bei schärfsten Strafen verboten.

[nggallery id=17]

Ende des 17. Jahrhunderts wird das belebende Getränk in Europa immer beliebter. Das Kaffeetrinken ist zunächst noch dem Adel vorbehalten, dann beginnt sich in den Städten eine bürgerliche Kaffeehauskultur zu entwickeln. Schließlich bieten sogar Straßenverkäufer Kaffee an.

© Deutscher Kaffeeverband e.V.

© Deutscher Kaffeeverband e.V.

Mit der steigenden Nachfrage nach Kaffee wird eine Ausweitung der Produktion immer dringender. Die Europäer versuchen, dass arabische Kaffeemonopol mit geschmuggelten Pflanzen aufzubrechen. Die Versuche der Botaniker, die Pflanze in Europa zu kultivieren, scheitern jedoch. Anfang des 18. Jahrhunderts beginnen die Europäer damit, Kaffeebäume in ihren tropischen und subtropischen Kolonien anzupflanzen. Die Holländer machen erste Versuche mit Pflanzungen in ihren indonesischen Kolonien. Wenig später versuchen auch die Franzosen ihr Glück. 1723 bringt der französische Offizier Gabriel de Clieux die ersten Setzlinge auf die Karibikinsel Martinique. Dank der intensiven Pflege und des subtropischen Klimas gedeihen die Pflanzen dort prächtig. Bald darauf legen die Franzosen auch Pflanzungen in ihrer Kolonie Guayana an. Schnell gelangt von dort geschmuggeltes Saatgut in das heutige Venezuelas. Der Kaffee ist in Südamerika angekommen.

Bereits 1727 sind nach einem Bericht des spanischen Jesuitenpartners José Gumilla die ersten Pflanzungen auf kolumbianischen Boden erfolgt. Der erste „Café de Colombia“ wird in der abgelegenen Missionsstation von Santa Teresa de Tabagé gebrüht. Die Qualität ist jedoch bescheiden: der Ort liegt abgeschieden am Fluss Meta im östlichen Tiefland Kolumbiens, das heiße Klima dort ist für den sensiblen Kaffeebaum alles andere als optimal. Neun Jahre später bringen Jesuiten Kaffeebohnen zum Erzbischof in die südkolumbianische Stadt Popayan. Sie werden im Klostergarten ausgesät – um den Kaffeedurst der Priesterschaft zu stillen.

© Deutscher Kaffeeverband.e.V.

© Deutscher Kaffeeverband.e.V.

Der Grundstein zu Kolumbiens hervorragendem Ruf als Kaffeeproduzent wird an den östlichen Ausläufern der Anden in den Provinzen Norte de Santander und Santander gelegt – mit Hilfe der Kirche. Auch hier ist Saatgut für Coffea Arabica aus Venezuela eingeführt worden, doch bei der Landbevölkerung stößt die neue Pflanze auf wenig Gegenliebe. Schließlich dauert es in der Regel fünf Jahre, bis die erste Ernte eingefahren werden kann – wie soll man bis dahin über die Runden kommen?

Erst ein Mann Gottes kann die Bauern “überzeugen“. Der Priester des Ortes Salazar de las Palmas in der Provinz Norte de Santander, Francisco Romero, ist ein ausgesprochener Liebhaber des braunen Getränks. Außerdem erkennt er die wirtschaftlichen Chancen, die der Kaffee bietet und hat eine Idee: Nach der Beichte legte er den reuigen Sündern aus seiner Gemeinde den Anbau von Kaffee als Buße auf. Je nach der Schwere des Vergehens müssen sie 1 – 4 Bäume pflanzen. Damit ist Romero so erfolgreich, dass benachbarte Pfarreien mit den Segen des Erzbischofs die neue Strafe – Kaffee statt Rosenkränze – übernehmen.

 Es wird wohl viel gesündigt in jener Zeit, denn die Kaffeeplanzungen breiten sich nun schnell in der Region aus. Zunächst werden die Bohnen nur zur Deckung des eigenen Bedarfs angebaut, doch schon bald reichen Quantität und Qualität der Ernten für erste Exporterfolge. 1835 liefern die Kaffeebauern aus dem Nordosten Kolumbiens bereits 180 Tonnen feinster Kaffeebohnen in die USA.

© Santiago Maontero, Fotolia

© Santiago Maontero, Fotolia

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt man auch in anderen Landesteilen verstärkt Kaffee anzubauen. Die „Paisas“, wie die Einwohner der Provinz Antioquia genannt werden, sind besonders erfolgreiche Kaffeeproduzenten. Sie gelten nicht nur als fleißige Arbeiter und gewiefte Unternehmer, sondern verfügen auch über hervorragende natürliche Voraussetzungen zur Produktion hochwertigen Kaffees: beste Anbauflächen zwischen 1.200 und 1.800 Metern über dem Meeresspiegel auf fruchtbaren, z.T. vulkanischen Böden. Hier herrscht optimales Kaffeeklima: die Temperatur liegt stabil zwischen 17 und 23 Grad Celsius, durchschnittlich 2.000 Milliliter Regen ergießen sich über das ganze Jahr verteilt auf jeden Quadratmeter der Plantagen. Die Sonne scheint das ganze Jahr, ausladende Bananenstauden und Obstbäume in den Pflanzungen spenden den empfindlichen Kaffeebäumen ausreichend Schatten.Nicht von ungefähr gilt der samtene, vollmundige Kaffee aus den Tälern rund um Medellín, der Hauptstadt Antioquias, unter Kennern als der beste der Welt. Schon Ende des 19. Jahrhunderts ist diese Spitzenkaffee ein von Feinschmeckern geschätztes, knappes Gut: „Medellín Suave – Milder Medellín“ ist damals die begehrteste und teuerste Kaffeesorte in den europäischen und nordamerikanischen Metropolen.

[nggallery id=18]

Die steigende Nachfrage nach kolumbianischem Kaffee und bessere Transportbedingungen durch die Eröffnung von Eisenbahnlinien ermöglichen zwischen 1875 eine rasante Ausweitung der Pflanzungen. Neue Anbaugebiete im Süden Antioquias werden rund um die Städte Manziales, Perreira und Armenia erschlossen. Der Kaffeeexport steigt von gut 10.000 Tonnen im Jahre 1875 auf über 180.000 Tonnen im Jahre 1930. Ende der zwanziger Jahre erzielt Kolumbien drei Viertel seiner Exporterlöse durch den Verkauf der aromatischen Bohnen. Die Wirtschaft in Kolumbiens Kaffeeregionen floriert, die „bonanza de los cafeteros“ wird zum geflügelten Wort.

Der Kaffeeboom des vergangenen Jahrhunderts ist Geschichte. Heute befinden sich die Bauern in den kolumbianischen Anden in einem immer härter werdenden wirtschaftlichen Überlebenskampf. Über die Erzeugung des Rohstoffes Kaffeebohne hinaus ist es ihnen in den vergangenen Jahrzehnten nicht gelungen, sich einen größeren Anteil an der Wertschöpfungskette bei der Erzeugung und Vermarktung des Endproduktes Kaffee zu sichern.

Rohkaffee ist heute zwar nach Erdöl weltweit das zweitwichtigste Handelsgut. Doch immer neue Erzeugerländer springen auf den Kaffeezug auf, wollen sich ihren Anteil am Weltmarkt sichern. Der traditionelle Abnehmermarkt in Nordamerika und Europa gilt bereits als gesättigt, die Erschließung neuer Konsumenten z.B. in Asien geht nur schleppend voran. Dies trifft die traditionellen Erzeugerländer wie Kolumbien hart. Es hat mehr als symbolische Bedeutung, dass 2006 Kolumbien den 2. Platz unter den weltgrößten Kaffeeexporteure verloren hat – an Vietnam, ein Land, das erst seit gut 10 Jahren überhaupt Kaffee produziert und selbst kaum konsumiert.

[dropshadowbox border_width=“1″ inside_shadow = „false“ width=“100%“]Interessante Links zum Thema

Federacíon Nacional de Cafeteros de Colombia
Die Homepage des kolumbianischen Kaffeeproduzentenverbandes liefert viele interessante Infos rund die Kaffeekultur in dem Andenland. Neben Statistiken und wissenschaftlichen Infos findet man auch auch Tipps zur Zubereitung und leckere Rezepte. Die Website ist in spanischer und englischer Sprache aufrufbar.

Deutscher Kaffeeverband e.V.
Auch die Interessenvertretung der Kaffee deutschen Kaffeewirtschaft bietet viel Wissenswertes rund um den Kaffee. Besonders erwähnenswert ist das umfangreiches Linkverzeichnis zum Thema Kaffee – spezielles Know How, Firmen und Institutionen der Kaffeewirtschaft lassen sich so leicht finden.

Johann-Jacobs-Museum
Diese Website informiert über Sammlungen und Aktivitäten des Museums, gestiftet vom – ursprünglich aus Bremen stammenden – Kaffeeröster Jacobs.[/dropshadowbox]

Mit nur gut 10 % Anteil an den kolumbianischen Exporten hat der Kaffee auch in Kolumbien selbst viel von seiner wirtschaftlichen Bedeutung verloren. Der stetige Preisverfall und Schädlinge wie der Brocakäfer haben viele Cafeteros in den Ruin getrieben. Doch noch immer leben mehrere hunderttausend kolumbianische Familien von der braunen Bohne und setzen auf bessere Zeiten. Fairer Handel von Kaffee kann ein Mittel sein, um dies zu erreichen. Auch das Produkt gibt Anlass zu Optimismus: echter kolumbianischer Hochlandkaffee ist noch immer der beste Kaffee der Welt.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.