Rio+20: Binationales Schutzgebiet für unkontaktierte indigene Gemeinschaften im brasilianisch-peruanischen Grenzgebiet gefordert

19. Juni 2012 | Von | Kategorie: Nachrichten

Pressemitteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker vom 19.06.2012

Führende Vertreter der wichtigsten Dachorganisationen indigener Gemeinschaften des Amazonasgebiets fordern in der brasilianisch-peruanischen Grenzregion ein binationales Schutzgebiet für unkontaktierte indigene Gruppen. Auf einer von der Gesellschaft für bedrohte Völker International (GfbV) organisierten Informationsveranstaltung (Side Event) im Rahmen des Nachhaltigkeitsgipfels Rio+20 bekräftigte der Menschenrechtler Franz Fluch am Montagabend (Ortszeit), dass die Bewohner des Regenwaldes ein Recht auf ihre traditionelle Lebensweise hätten und deshalb Waldrodungen, Bergbau und die Errichtung von Kraftwerken in diesem Schutzgebiet strikt verboten werden müssen. Dies sein nicht zuletzt ein wichtiger Beitrag zum weltweiten Klimaschutz, für den ein intakter Regenwald von großer Bedeutung sei. Fluch betonte dabei, dass die ursprüngliche Idee für das Schutzgebiet von indigenen Gemeinschaften stammt, die sich für die in freiwilliger Abgeschiedenheit lebenden Gruppen einsetzen.
 
„Auch außerhalb dieses Schutzgebietes müssten indigene Gemeinschaften in Verhandlungen über Bauprojekte, Infrastrukturmaßnahmen oder andere Vorhaben auf ihrem Land miteinbezogen werden“, forderte Fluch. Ihr Recht auf freies, informiertes und vorheriges Einverständnis (FIVE) sei zwar in der UNO-Deklaration für die Rechte indigener Völker und anderen internationalen Konventionen verankert und gestehe den Betroffenen ausdrücklich einen gleichberechtigten Platz am Verhandlungstisch zu. Dies schließt auch ein, dass sie Vorhaben ganz ablehnen können. Trotzdem werde dieses Recht von den Regierungen in der Regel missachtet. „Für uns ist es wichtig, dass bei allen Projekten das freie, informierte und vorherige Einverständnis von den Amazonas-Staaten nicht nur ratifiziert, sondern auch in die Tat umgesetzt wird“, unterstrich Marco Apurinã, Generalsekretär der COIAB*.
 
Die GfbV International kritisiert, dass die indigenen Gemeinschaften im Abschlussdokument des Gipfels, das die Staatenvertreter noch diskutieren und verabschieden müssen, nicht erwähnt werden. Aus Sicht der Menschenrechtsorganisation wäre es zwingend nötig, das Konzept des FIVE darin zu verankern.
 
*Auf dem von der GfbV International in Rio organisierten Side Event in Rio sprachen Repräsentanten des Dachverbands der indigenen Völker des peruanischen Amazonasgebietes “Asociación Interétnica de Desarrollo de la Selva Peruana” (AIDESEP), des Dachverbands der indigenen Organisationen des Amazonasgebietes „Coordinadora de las Organizaciones Indígenas de la Cuenca Amazónica” (COICA) und des Dachverbands der indigenen Organisationen des Amazonasgebietes in Brasilien „Coordenação das Organizações Indígenas da Amazônia Brasileira” (COIAB).

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